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Das Bodenseeufer in Österreich
 
 

Das Bodenseeufer in Österreich

Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie

Die Europäische Union verpflichtet ihre Mitgliedsstaaten, ge- fährdete Lebensräume entsprechend der Fauna-Flora-Habitat- richtlinie zu schützen. Am Bodensee in Vorarlberg finden sich FFH-Lebensräume vor allem in den Naturschutzgebieten Rheindelta (Gaißau, Höchst, Fußach, Hard) und Mehrerauer Seeufer-Bregenzerachmündung (Hard, Bregenz) sowie in Hörbranz an der Staatsgrenze zu Deutschland.
Art. 6 Abs. 2 der FFH-Richtlinie fordert die Mitgliedsstaaten auf, Maßnahmen zu treffen, um „eine Verschlechterung der Lebens- räume zu vermeiden (Verschlechterungsverbot) und relevante Störungen der Arten zu verhindern (Störungsverbot)“. Nicht in jedem Fall jedoch lässt sich exakt definieren, ab wann eine Veränderung als Verschlechterung zu bewerten ist: Gerade in dynamischen Landschaften wie Flussmündungen erfahren auch FFH- Lebensraumtypen – beispielsweise durch Hochwässer - starke Veränderungen, ohne dass dies als Verschlechterung zu bezeichnen wäre. Es sind daher andere Bewertungskritierien notwendig als in vergleichsweise „statischen“ Lebensräumen wie Hochmooren. Ein wichtiges Kriterium für dynamische Leb- ensräume ist das Entwicklungspotenzial.
 
UMG Umweltbüro Grabher (2005): FFH-Lebensraumtypen im Natura 2000-Gebiet Rheindelta. Bestandsaufnahme und Bewertung. - Im Auftrag des Naturschutzvereins Rheindelta.
 
UMG Umweltbüro Grabher (2005): Managementplan Natura 2000-Gebiet Mehrerauer Seeufer - Bregenzerachündung, Bregenz, Hard. - Im Auftrag der Stadt Bregenz und der Vorarlberger Landesregierung.
 
 

3130 Mäßig nährstoffversorgte Stillgewässer mit amphibischen Strandlingsgesellschaften (Oligo- bis mesotrophe stehende Gewässer mit Vegetation der Littorelletea uniflorae und / oder der Isoeto-Nanojuncetea): Strandrasen mit dem Bodensee-Vergissmeinnicht (Myosotis rehsteineri) sind eine Besonderheit. Eines der größten Vorkommen liegt im Naturschutzgebiet Mehrerauer Seeufer-Bregenzerachmündung in Bregenz. Das Bodensee-Vergissmeinnicht wird in Anhang II der FFH-Richtlinie als besonders schützenswerte Art angeführt. 3130 Mäßig nährstoffversorgte Stillgewässer mit amphibischen Strandlingsgesellschaften (Oligo- bis mesotrophe stehende Gewässer mit Vegetation der Littorelletea uniflorae und / oder der Isoeto-Nanojuncetea): Im Wasserschwankungsbereich der Fußacher Bucht sind große Bestände der Nadelbinse (Eleocharis acicularis) erhalten, die ebenfalls zu den Strandlinggesellschaften zählen. 3140 Kalkreiche, nährstoffarme Stillgewässer mit Armleuchteralgen (Oligo- bis mesotrophe kalkhaltige Gewässer mit benthischer Vegetation aus Armleuchteralgen): Vor allem in der Fußacher Bucht entwickelten sich bedeutende Bestände mit Armleuchterlagen. 3150 Natürliche nährstoffreiche Seen mit Schwimmblatt- und Wasserpflanzenvegetation (Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions): Vegetation mit Wasserlinsen und Laichkräutern ist am Bodensee weit verbreitet. Im Bild das Glänzende und Krause Laichkraut (Potamogeton lucens, Potamogeton crispus).
3220 Alpine Flüsse mit krautiger Ufervegetation: Die Mündung der Bregenzerach weist eine für mitteleuropäische Verhältnisse außergewöhnliche Landschaftsdynamik auf mit Sukzessionen von Flachwasserbereichen bis zur Hartholzau. 3240 Alpine Flüsse mit Lavendelweiden-Ufergehölzen (Alpine Flüsse mit Ufergehölzen von Salix eleagnos): Die Bregenzerach hat bis zur Mündung in den Bodensee den Charakter eines Gebirgsflusses. Daher entwickeln sich auch in Seenähe Augehölze mit Lavendelweide (Salix eleagnos). 6410 Pfeifengraswiesen (Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, torfigen und tonig-schluffigen Böden (Molinion caeruleae)): Pfeifengraswiesen sind durch die Nutzung als Streuwiesen entstanden. Große Vorkommen befinden sich im Rheindelta (im Binsen-Pfeifengraswiesen in Fußach), kleinere in Bregenz und in Hörbranz. 6430 Feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe: Hochstaudensäume sind wichtige Lebensräume und wertvolle Vernetzungselemente. Im Bild die meist dominierende Art – das Mädesüß (Filipendula ulmaria).
6510 Magere Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis): Dieser Lebensraumtyp ist durch Nutzungsintensivierung selten geworden. Auf den Hochwasserschutzdämmen des Neuen Rheins als Sekundärstandorte entwickelten sich Halbtrockenrasen und Glatthaferwiesen, die diesem Lebensraumtyp entsprechen. Im Bild das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris). 7110 Lebende Hochmoore: Das einzige am österreichischen Bodenseeufer erhaltene Hochmoor ist ein Wollgras-Rasenbinsenmoor (Eriophoro-Trichophoretum) in Fußach, das sich im Initalstadium befindet. Im Bild die Rasenbinse (Trichophorum cespitosum). 7140 Übergangs- und Schwingrasenmoore: Die Fadenseggenriede (Caricetum lasiocarpae) in Höchst und Fußach sind die Reste einst großflächiger Übergangsmoore. Im Bild ein Übergangsbestand mit Steifsegge. 7150 Torfmoor-Schlenken (Rhynchosporion): Die Entwicklung der Schnabelbinsenriede (Rhynchosporetum albae) im Rheindelta wurde durch den Torfabbau bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts gefördert.
7230 Kalkreiche Niedermoore: In den Naturschutzgebieten Rheindelta und Mehrerauer Seeufer entsprechen Streuwiesen auf Gleyböden diesem Lebensraumtyp. Im Bild ein Kopfbinsenried (Schoenetum nigricantis) in Bregenz. 91E0 Auenwälder mit Erle, Esche und Weide: Grauerlen-Auwälder kommen am Bodenseeufer nur kleinflächig an den Flussmündungen vor. 91E0 Auenwälder mit Erle, Esche und Weide (Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae)): Auf den Sedimentationsflächen an der Mündung des Neuen Rheins entwickelten sich in den vergangenen Jahrzehnten große Weichholzauen mit Silberweide (Salix alba). 91F0 Hartholzauenwälder (Hartholauenwälder mit Quercus robur, Ulmus laevis, Ulmus minor, Fraxinus excelsior oder Fraxinus angustifolia (Ulmenion minoris)): Nur im Rheinholz am Alten Rhein ist eine echte Hartholzaue mit Esche (Fraxinus excelsior) und Stieleiche (Quercus robur) erhalten, die bei hohem Wasserstand des Bodensees noch überschwemmt wird.